Über die Stadthalle

Die Stadthalle - Kult in Schweinfurt

Jeder Schweinfurter verbindet ganz eigene Erinnerungen mit der 1951 eröffneten Stadthalle. Mit Konzerten, Theater und Tanz, mit Reden und Ehrungen, mit Festen und Ausstellungen hat sie das Stadtleben mitgeprägt.

Klassentreffen, Flummi-Tanz und Leibesübungen

Viele Schweinfurterinnen und Schweinfurter erlebten bereits Höhepunkte ihrer Schulzeit in der Stadthalle. Hier traten sie bei musischen Abenden auf, erhielten ihr Abschlusszeugnis und wurden für besonders gute Leistungen geehrt. Fest in der Stadtgeschichte verankert ist jedoch ein ganz anderes „Klassentreffen“: Das Beatrevival. Zwischen 1989 und 2012 traten die 60er-Jahre Bands The Midyards, The Shades, Kalli and the Four Machines, The Rockets und The Outlaws insgesamt zehnmal in einer gemeinsamen Abendveranstaltung auf. Bis zu 900 Besucher schwangen das Tanzbein und schwelgte in Erinnerungen: „Wie in alten Zeiten, wie zu unserer Zeit.“

Musikalisch hieß es in der Stadthalle bis zum heutigen Tag nicht nur anlässlich von Interkulturellen Wochen „Vielfalt, das Beste!“. Ganz unterschiedliche Töne erfüllten den mal voll bestuhlen, mal als große Tanzfläche dienenden Raum. Rockmusik von Earth, Wind & Fire, Uriah Heep und der Spider Murphy Gang ließ die Wände wackeln, eher sanftere Akkorde erklangen bei der  großen Musical- und Operettengala. Mal ging es ruppig zu – als Sido und seine Kumpanen von „Aggro Berlin“ sich mit dem Publikum zofften und das Konzert abgebrochen werden musste  –, meistens aber quietschfidel – etwa wenn Detlev Jöcker und seine Singemaus Jolanta Kinder und Eltern zum Flummi-Tanz animieren.

Ganz im Zeichen der Bewegung und körperlichen Ertüchtigung stand die Stadthalle bereits in ihren Anfangsjahrzehnten. Denn einige Schweinfurter Schulen hatten in der Nachkriegszeit keine eigene Turnhalle und wichen so zum Sportunterricht in die Stadthalle aus. Die Bayerische Einzelmeisterschaft im Gewichtheben fand hier ebenso statt wie Nationale Vergleichswettkämpfe im Kunstradfahren und Radball.

Bretter, die die Welt bedeuten

Als die Stadthalle eröffnet wurde, diente sie auch und vor allem als Theaterspielort. In den vorangegangenen Jahrzehnten hatten verschiedenste Räume als Theatersaal herhalten müssen, etwa das frühere Bethaus der freien Christlichen Gemeinde am heutigen Schillerplatz, der Kugelfischersaal, das Naturfreundehaus oder die Aula der Berufsschule. Nun fanden 715 Theatergäste im Parkett und auf der Empore Platz. Schon 1952 wurden 130 Veranstaltungen gespielt – im bis heute im Schweinfurter Theater praktizierten Gastspiel-Konzept. Erster Intendant war Erich Kronen, ihm folgte 1956 Günther Fuhrmann. Unter seiner Leitung zog die Einrichtung 1966 in das Schweinfurter Stadttheater im Chateaudun-Park.

Als Bühne für die verschiedensten Produktionen war die Stadthalle aber auch weiterhin gefragt. Steiners Theaterstadl und das Chiemgauer Volkstheater spielten hier ebenso vor gut gefüllten Rängen wie Engin Secgin mit seiner türkischsprachigen Komödie „Hangisi Karisi?“ oder der Pantomime Marcel Marceau. Kabarettisten von Bruno Jonas bis Willy Astor boten brillante Unterhaltung.

Doch nicht nur gestandenen Profis, auch engagierten Laien gehörte die Bühne. Schultheatergruppen begeisterten ihr Publikum hier ebenso wie die Darstellerinnen und Darsteller die Lebenshilfe, die hier mit Theater, Tanz und viel „Tam Tam“ (so der Name der Trommelgruppe) 40-jähriges Jubiläum feierten.

Willy Brand in Schweinfurt

Bereits in den Anfangsjahren fand in der Stadthalle nicht nur kulturelles, sondern auch politisches Leben statt. 1965 führte seine Wahlkampftour Willy Brandt nach Schweinfurt. In einer 20-minütigen Rede auf der Stadthallen-Bühne forderte der spätere Bundesaußenminister und Bundeskanzler eine Fortführung des sozialen Wohnungsbaus und den Ausbau von Bildungsmöglichkeiten.

Auch in den Folgejahren war die Halle in der nach dem Gewerkschafter Wilhelm Leuschner benannten Straße Austragungsort für politische Informationsveranstaltungen aller Couleur. Gewerkschaftsvertreter aus dem gegenüberliegenden DGB-Haus traten hier regelmäßig vors Mikrofon. Die Gegner des Kernkraftwerks sammelten erste Mitstreiter. Der spätere Bundespräsident Joachim Gauck las 2011 anlässlich des Mauerbaus vor 50 Jahren aus seiner Biografie „Winter im Frühling – Sommer im Herbst“. Arbeits- und Sozialministerin Emilia Müller (CSU) und Bundestagsabgeordneter Klaus Ernst (Die Linke) diskutierten 2017 unter der Überschrift „Revolution der Arbeitswelt“ mit Bürgerinnen und Bürgern über Digitalisierung und Leiharbeit. Im Rahmen der Sendung „Jetzt red i“ übertrug das BR-Fernsehen die Veranstaltung live.

Ein dreifach donnerndes Helau

Besonders bunt wurde und wird das Treiben in der Schweinfurter Stadthalle traditionell zur fünften Jahreszeit. Beste Stimmung bei Kinderfasching und Faschingstanz der Senioren, feuchtfröhliches Treiben beim Kölner-Karneval von Après Ski bis Mallorca.

Den Höhepunkt bilden alljährlich die Büttensitzungen der Schwarzen 11. Am Freitag, den 13.01.1967, marschierten die Narren der Kolpingsfamilie mit Narrhalla-Marsch und kräftigem Helau in ihren neuen Sitzungssaal ein. Seitdem war er, regelmäßig auch vom BR-Fernsehen aufgezeichnet, fester Bestandteil des fränkischen Faschingskalenders. Die Tänzer und Turner, Stasi und Blasi, der Hausmeister der Stadthalle, Peter Kuhn und viele weitere närrische Weggefährten ernteten Jahr für Jahr tosenden Applaus und schallendes Gelächter.

Und sonst?

In der Stadthalle fanden große Impfaktionen statt, außerdem Messen für Briefmarken-, Reptilien- und Modelleisenbahnliebhaber. Die Gastronomen feierten hier ebenso ihre Bälle wie Bäcker, Metzger und Köche. Und alle Jahre wieder lädt die Stadt alleinstehende und bedürftige Bürger zum gemeinsamen Weihnachtsfest ein. Es wird deutlich: Die Belegung der Halle war und ist ebenso bunt und vielfältig wie die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger. Und wird dies auch weiterhin sein.